1. Der "Heilige Stein" bei Muschenheim
"Das interessanteste pr�historische Gel�ndedenkmal im Kreisgebiet ist zweifellos die
Steinkiste von Muschenheim", urteilt Hartmut Lischewski im Inventar der urgeschichtlichen
Bodendenkm�ler des Stadt- und Landkreises Gie�en. Wie der Tagespresse zu entnehmen ist,
werden im August/Oktober 1989 unter Leitung von Professor Dr. Manfred Menke vom Institut
f�r Vor- und Fr�hgeschichte an der Universit�t Gie�en Untersuchungen am "Heiligen Stein"
durchgef�hrt. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse diese Untersuchungen bringen
werden. Zuletzt war dieser steinzeitliche Bestattungsplatz gegen Ende des vorigen
Jahrhunderts (1892) von Kofler und kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges durch
Eduard Antes untersucht worden. Da bei der Grabung durch Kofler dieses Kulturdenkmal
schon starke St�rungen aufwies, war eine zeitliche Einordnung nicht mehr m�glich, doch
d�rfte immerhin soviel feststehen, da� die Steinkiste nicht zu den Galeriegr�bern zu
z�hlen ist, sondern zu den �lteren vormegalithischen Anlagen. Die Steine, die f�r dieses
Grab gebraucht wurden, d�rften wohl von dem 2,5 km entfernten Steinberg bei M�nzenberg
stammen. Die Grabkammer selbst hat eine Gr��e von reichlich 2 mal 1 m und ist von einer
Steinsetzung von 6 mal 8 m umgeben. Nach dem bisherigen Kenntnisstand geh�rt dieses
H�nengrab der j�ngeren Steinzeit an und d�rfte ein Alter von 4000 bis 4500 Jahren haben.
Bei der Grabung von 1892 sind wichtige Funde nicht gemacht worden. Lediglich wenige
Knochensplitter wurden in der Steinkiste gefunden, die vielleicht die Reste einer
Prim�rbestattung darstellen. �stlich der Kammer wurden u. a. zwei vorgeschichtliche
Scherben geborgen. Auch bei der Grabung von 1913 wurde u. a. eine Tonperle geborgen,
die angeblich bandkeramischer Herkunft ist. Nur wenige werden wissen, da� dieGemeinde
Muschenheim im Jahre 1964 f�r 100,-DM(!) den "Heiligen Stein" vom Land Hessen
k�uflich erwarb.
In den Jahren 1959 bis 1961 wurden von Otto Bommersheim zahlreiche Oberfl�chenfunde
am "Heiligen Stein" gemacht, so ein Klingenkratzer aus dunklem Feuerstein, der mit den
anderen Fundgegenst�nden an das Oberhessische Museum nach Gie�en gebracht wurde,
wo sie allerdings nicht mehr aufzufinden sind. Einen weiteren Einzelfund machte 1967
der damalige Muschenheimer Lehrer Horst Eschner. Es handelte sich um eine Klinge
aus grauem Feuerstein.
2. H�gelgr�ber im Vorderwald
Wie wir aus dem "Inventar" erfahren, ist das Muschenheimer Gr�berfeld mit 37 Grabh�geln
das gr��te seiner Art im Kreis Gie�en, wobei viele H�gel vereinzelt liegen. Zum Fundgut
z�hlen u. a. Gef��e (Kegelhalsgef��e), Becher, Schalen, Fibeln usw.
Im Zusammenhang mit diesen reichen Funden im Vorderwald hat sich in Muschenheim die Sage
von einem "K�nigsgrab", das ein goldenes Schwert barg, lange Zeit gehalten.
1918 wurden endlich Untersuchungen durchgef�hrt, um der Wahrheit auf den Grund zu kommen.
Man fand in der Tat in einem der Gr�ber ein Schwert, zwar nicht aus Gold, aber immerhin
aus Bronze. Im Muschenheimer Ortswappen hat dieses Schwert seine heraldische W�rdigung
erhalten. Aus der Lat�nezeit sind zwei Grabfunde von Bedeutung. Es handelt sich, wie
Hartmut Potenz im "Inventar" darlegt, um zwei Brandgrubengr�ber, die als Nachbestattungen
in �lteren H�geln angelegt wurden, w�hrend in der Sp�tlat�nezeit Flachgr�ber �blich sind.
Eigent�mliche Form und Verzierung der Gef��e deuten auf Keramik Ostdeutschlands hin und
sind in die zweite H�lfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts zu datieren.
Die beiden hier bestatteten Personen werden in der Wissenschaft als zugewanderte Germanen
aus dem Oder-Warthe-Raum angesehen.
3. Spuren der R�merzeit
Wie wir schon an anderer Stelle dieses Heimatbuches deutlich gemacht haben
(vgl. z. B. den Beitrag �ber Eberstadt), wurde in der Regierungszeit des
Kaisers Domitian (81-96) mit dem Bau des Limes begonnen, der quer durch die Gemarkung
von Muschenheim verl�uft. Der Verlauf in der Umgebung von Muschenheim war durch die
fr�here Reichslimeskommission festgestellt worden und verl�uft �ber den M�hlboden,
den Weinberg, den Kratzert, Atzelrod und die Winke am Nordrand von Bettenhausen weiter.
Um diesen Raum milit�risch zu sichern, errichteten die R�mer auf der Anh�he �ber der
Wetter das Kastell Alteburg, das als das n�rdlichste des gesamten Limes gilt.
In dem Kastell, das eine Gr��e von fast 3 ha hatte, war eine Garnison von 500 Soldaten
stationiert, was auch auf die Bedeutung dieses vorgeschobenen r�mischen Postens hinweist.
Die r�mischen Legionen haben bei ihrem Vorr�cken in unseren Raum die alten,
vorgeschichtlichen Stra�en benutzt, von denen eine �ber Garnbach, Oberh�rgern
durch Muschenheim in Richtung Birklar und weiter nach Nordosten verlief.
Dennoch, weder der Limes noch die r�mischen Garnisonen waren in der Lage,
den Ansturm der Germanen aufzuhalten. In der Mitte des 3. Jahrhunderts �berrennen
diese die r�mischen Grenzen und gr�nden ihrerseits in den fr�heren r�mischen Provinzen
freilich nur kurzlebige germanische Stammeszentren. Einem dieser St�mme gelingt es,
gestaltend auf die weitere Entwicklung des Abendlandes Einflu� zu nehmen. Es sind dies
die Franken. Ihr Vordringen nach dem Osten bringt auch Licht in die Geschichte unserer
oberhessischen Heimat.
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